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Ein Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRA und weltwärts an der Universidad de Montemorelos
 
 

Gesang, Gesang

Ein erster musikethnologischer Forschungsbericht...

Wo wir auch gehen und treten, überall gehören hier Musik und Gesang zum Leben! Hier im Dorm singen die Mädchen immerzu, beim Putzen, wenn sie nur über den Gang gehen, in ihren Zimmern... Wenn wir zu den Andachten gehen, fühlt es sich an, als säße man in einem Chor. Auch mehrstimmige Lieder sind für sie überhaupt kein Problem. Selbstverständlich wird auch in den Gottesdiensten gesungen (ich verstehe schon eine ganze Menge der Liedtexte - >freu< ) und es gibt hier natürlich mehrere Chöre. Aber auch unser Spanischunterricht beginnt regelmäßig mit Liedern. Weil wir dort die Texte bekommen und nicht ganz so schnell singen, können wir auch wirklich mitsingen. Maestra Paty, unsere Lehrerin in Composición, singt dann auch manchmal während des Tafelanschriebes. Überhaupt haben unsere Spanischlehrerinnen alle sehr schöne Stimmen. Ich bin sehr beeindruckt!!!

Die Männerwelt scheint sich im Prinzip in der Öffentlichkeit eher aufs Pfeifen verlegt zu haben. Aber singen können sie auch, wie sie uns vor zwei Tagen höchst eindrucksvoll bewiesen haben: Gegen Mitternacht kamen sie in unseren Dorm. Offensichtlich wurden sie erwartet, denn eines der Sofas aus dem Foyer stand quer in dem Bogen, der den Vorraum vom eigentlichen Flur trennt, so dass Mädchen und Jungs nicht wirklich zusammen konnten. Alle Mädchen stürmten laut kreischend aus ihren Zimmern und drängten sich hinter dem Sofa um eine möglichst gute Sicht auf die Sänger zu haben.

Ich stehe übrigens mitten drin, fest zwischen den anderen eingeklemmt und hinter klatschnass - auch nachts ist es hier alles andere als kalt!

Die Jungs hatten Gitarren und Mikrofone mitgebracht und dann wurde einzelnen Mädchen ein Ständchen gebracht - unter dem lauten Gekreische und Gelächter der Mädchen (wir fühlten uns, als sei eine Boygroup angekommen). Hier werden die Geschlechter aber auch sehr strenger getrennt als in Deutschland. Männer oder Jungen haben absolut keinen Zutritt zu einem "Hogar de Señoritas". Insofern ist solch ein nächtlicher Besuch auch wirklich etwas ganz besonderes! Nach jedem Ständlichen gab es einen scheuen Kuss auf die Wange. Wir vermuten, dass auch "las chicas alemanas", also wir, ein Ständchen bekommen haben - aber bei unseren nach wie vor rudimentären Spanischkenntnisse sind wir uns nicht ganz sicher.

Ungefähr eine Stunde dauerte das ganze, bis sich die Sänger unter lauten "un otra"-Rufen der Mädchen verabschiedeten.

15.9.10 05:16

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